SPD stößt FDP und FWG mit Vorstoß vor den Kopf

Partner in der neuen Mehrheit werden nicht über den Vorschlag zur Einrichtung einer großen Gemeinschaftsschule informiert. Zander äußert sein Befremden. Dieter Froning fordert: Für Aldenhoven darf nur etwas Besseres herauskommen.


Die Aldenhovener SPD hat mit ihrem Vorschlag, im Kernort eine Gemeinschaftsschule für die Klassen 1 bis 10 einzurichten, ihre beiden Partner in der neuen Mehrheit, die Freie Wählergemeinschaft (FWG) und FDP, vor den Kopf gestoßen.

Die FDP sei „vorab nicht informiert“ worden, kritisiert Fraktionsvorsitzender Willi Zander den Alleingang der Genossen.

 

Und FWG-Chef Dieter Froning bezeichnet die Vorgehensweise der SPD als „politisch nicht klug, aber pressewirksam“. Wie berichtet, wollen die Aldenhovener Sozialdemokraten ab dem Schuljahr 2012/2013 eine Gemeinschaftsschule errichten – bislang einzigartig in NRW.

Dazu sollen die zwei Grundschulen, die Hauptschule und die Realschule im Kernort verschmolzen werden, sollte die Landesregierung denn grünes Licht geben.

 

„Die Idee mag ganz gut sein, aber vieles ist ungeklärt“, kommentiert Freidemokrat Zander. Aber hier gehe es „um mehr als um eine Änderung der Friedhofssatzung“. Daher müsse er sein „Befremden zum Ausdruck bringen“, dass seine Fraktion „wohl als Mehrheitsbeschaffer“ im Gemeinderat gefragt sei, aber nicht auf dem Laufenden gehalten werde. Er hege zudem den Verdacht, dass die SPD des Landes NRW und des Kreises Düren in Baden-Württemberg „abgekupfert“ habe.

 

Im Ländle, unter CDU-Vorherrschaft eine Hochburg des dreigliedrigen Systems (Sekundarstufe I mit Hauptschule, Realschule und Gymnasium), will die neue grün-rote Landesregierung ebenfalls die große Gemeinschaftsschule einführen, in der alle Schüler von der ersten bis zur zehnten Klasse gemeinsam lernen.

 

CDU für Verbundschule

Die Christdemokraten in Aldenhoven und in der Landeshauptstadt Düsseldorf favorisieren dagegen die Verbundschule, die bei rückläufigen Schülerzahlen Hauptschule und Realschule weiter bestehen lässt, aber unter eine Leitung und mit einem Lehrerkollegium unter einem Dach zusammenfasst.

Auch FWG-Chef Froning macht aus seiner Enttäuschung über die Genossen vor Ort keinen Hehl. „Ich hätte mir gewünscht, dass das vorbesprochen worden wäre.“

 

Jetzt gehe es darum, den Vorschlag „sachlich zu betrachten“. Es gebe aber für Aldenhoven „eine Vielzahl von Lösungsmöglichkeiten“. Die FWG hatte zuletzt eine Gesamtschule, die allerdings nur zusammen mit Nachbarstädten wie etwa Jülich und Linnich zu realisieren sei, ins Gespräch gebracht. Das aber, so Froning, bedeute, „auf andere Schulformen zu verzichten“.

Das NRW-Modell einer Gemeinschaftsschule mit den Klassen 5 bis 10 ist für die Freien Wähler vorerst nur ein „Versuchsballon“, zudem mangele es an Rechtssicherheit. Die Marschroute in der Schulpolitik sei für die FWG: Für Aldenhoven darf „nur etwas Besseres herauskommen.“

 

Die allgemeine schulpolitische Diskussion kranke im Übrigen, so Froning, an dem „fundamentalen Widerspruch“, dass einerseits eine „Konsolidierung“ der Schullandschaft angestrebt werde, andererseits eine „Abwerbung“ von Schülern aus Nachbarkommunen nicht möglich sei.

 

Sollte die NRW-Regierung tatsächlich eine große Gemeinschaftsschule in Aldenhoven als Pilotprojekt genehmigen, stünden FWG und FDP dem grundsätzlich nicht ablehnend gegenüber. Denn dann, so der Liberale Zander, hieße das immerhin: „In Aldenhoven tut sich was.“ (gep)

 

Quelle Jülicher Zeitung / / Seite 17

Kommentar schreiben

Kommentare: 0